Casey - “It’s Time For Us To Bury Our Love” - Support: Acres & Gatherers

Backstage Club
Reitknechtstrasse 6
DE-80639 München
Montag, 29. April 2019
19:45 Uhr

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Foto: Living Concerts Das Debütalbum „...

Foto: Living Concerts Das Debütalbum „Love Is Not Enough“ von Casey war 2016 eine rohe Erkundung der persönlichen Beziehungen des Sängers Tom Weaver. Es war eine Operation am offenen Herzen, die seine romantischen und familiären Bindungen oder ihre Trümmer im Zusammenhang mit seiner eigenen psychischen Gesundheit mit verheerenden Auswirkungen untersuchte. Der Nachfolger „Where I Go When I Am Sleeping“ von 2018 ist nicht weniger aufschlussreich. Aber anstatt sich auf das zu konzentrieren, was Weaver für dieselben alten Themen von Liebe und Verlust hält, hat die Band – ergänzt durch Liam Torrance (Gitarre), Toby Evans (Gitarre, Gesang), Adam Smith (Bass) und Max Nicolai (Schlagzeug) – den Fokus auf Weavers Körper und die drei hauptsächlichen körperlichen und psychischen Beschwerden gelegt, die ihn für den Großteil seines Lebens beschäftigt haben. Eine Knochen- und Darmerkrankung, Manische Depression, ein Herzinfarkt und ein Schlaganfall sowie ein überlebter Verkehrsunfall sind die zentralen Themen der Platte. Während „When I Am Sleeping“ eine Fortsetzung und Erweiterung der ersten Platte ist, laufen die beschriebenen Ereignisse gleichzeitig mit jenen auf dem ersten Album. Insofern ist „When I Am Sleeping“ ein Gegenstück zu seinem Vorgänger, ein Durcheinander von Momentaufnahmen, Reaktionen und Erfahrungen sowie Gefühlen, die einen Einblick in Weavers Kopf und sein Leben geben, die aber nicht unbedingt eine lineare Geschichte erzählen. Weaver achtete darauf, sicherzustellen, dass seine Berichte über seine Erlebnisse mit Bezug auf sehr spezifische Dinge auch von außen betrachtet werden können. Der Opener „Making Weight“ erzählt zum Beispiel eine Geschichte über die Zeit, als Weavers Mutter ihn ohnmächtig im Badezimmer fand, weil er durch seine (damals nicht diagnostizierte) Colitis viel Blut verloren hatte. Bei der Musik herrschte mehr Vertrauen. Produziert von Brad Wood (Placebo, Far, the Smashing Pumpkins, mewithoutYou, Touché Amoré), sind die Songs weitaus expansiver, atmosphärischer und vielschichtiger als alles, was die Band zuvor gemacht hatte. Es ist ein Album, das von einem lebhaft dargestellten Moment zum nächsten, von einer Erinnerung zu einer anderen fließt. Und obwohl es immer noch verzweifelte Wut und kehliges Schreien wie bei „Wavering“, „Phosphenes“ und „Fluorescents“ gibt, wurde vieles durch ruhigere, wenn auch nicht weniger besorgte Klanglandschaften ersetzt. Insbesondere die gleichzeitig geschriebenen Songs „Phosphenes“ und „Fluorescents“, die durch ein instrumentales Zwischenspiel verbunden sind, befinden sich sowohl lyrisch als auch musikalisch in der metaphorischen Mitte des Albums. Durchzogen von (wörtlichem) Schmerz und Angst, zeichnen beide Lieder ein Bild der Zerbrechlichkeit der Existenz, wie sie Weaver durch seine persönliche Erfahrung erzählt. Die Musik und die Themen sowie die Texte und die Präsentation vereinigen sich, um ein Dokument der Verzweiflung und des Leidens, aber auch des Trotzens und der Stärke, des Durchdringens und der Überwindung der schwierigsten Widrigkeiten zu präsentieren.